Gesundheit

Resilienz - Mit eigener Stärke zum Glück

Am 7 März, 2020

Gute Nachrichten lone_tree

Es war im Spätsommer 2015 als in Österreich tausende Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, den Hauptbahnhof erreichten. Menschen, die im Krieg alles verloren hatten und meistens monatelang auf der Flucht waren. Viele von ihnen verloren auf dem Weg nach Österreich noch weitere Familienmitglieder und Freund*innen. Für die meisten von uns ein unvorstellbares Leid. Noch unvorstellbarer? Wie man je wieder glücklich werden soll nach so einem Schicksalsschlag. Seit Jahrzehnten versuchen Forscher*innen zu verstehen, wie Menschen es nach einem schlimmen Ereignis wieder schaffen Freude am Leben zu finden. Nach Verlust, nach Traumata oder nach Verletzungen ist es oft ein langer Weg zurück ins Glück, aber kein unmöglicher. Ein wichtiger Faktor? Resilienz!

Einer dieser Menschen war Rami*, damals Anfang dreißig, aus Syrien. Rami musste aus seiner Heimat fliehen, wie viele Menschen zu dieser Zeit. Seit 2015 ist er in Österreich, seiner neuen Heimat. Wir haben mit Rami darüber gesprochen was Glück für ihn bedeutet und wie sich seine Definition von Glück geändert hat. Für viele von uns ist Krieg etwas Unvorstellbares. Für andere ist es leider die Realität. Laut UNHCR sind derzeit rund 70 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, geschätzt allein 13,5 Millionen davon aufgrund des syrischen Bürgerkrieges. Man erinnert sich an die Bilder von Menschenmassen, die barfuß über die österreichische Grenze stapften oder Familien, die zusammengepfercht auf Schlauchbooten saßen und um ihr Leben kämpften.

Und immer wieder fragt man sich: Wie können Menschen danach weiterleben? Wie kann man danach wieder glücklich werden? Was bedeutet Glück nach so einer Reihe von einschneidenden Erlebnissen? Vor dem Krieg bedeutete Glück für Rami mit den Menschen zusammen zu sein, die er am meisten liebt. Dann musste er seine Heimat und die Menschen, die er liebt, verlassen. Es ist ein langer Weg in die Sicherheit und zurück ins Glück. Ungefähr eineinhalb Jahre sollte es dauern bis Rami wieder Glück verspürt. Forscher*innen sind sich einig, dass man, um nach so einem Schicksalsschlag wieder glücklich zu sein, vor allem eines braucht: Resilienz.

Als Resilienz bezeichnet man die Fähigkeit mit schweren Lebensumständen oder Schicksalsschlägen umzugehen und dabei psychisch stabil zu bleiben. Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort „resilire“ (abprallen) ab. In der Psychologie beschreibt man damit die psychische Widerstandsfähigkeit von Menschen. Seit Jahrzehnten versuchen Forscher*innen zu verstehen, warum manche Menschen mit längerfristigen Belastungen oder plötzlichen Schicksalsschlägen besser zurechtkommen als andere. Warum manche Menschen, die eine schwierige Kindheit durchleben mussten, trotzdem im Erwachsenenalter ein erfülltes Leben führen und andere selbst nach schweren Verlusten wieder Hoffnung schöpfen können? Seit langer Zeit wird hierfür Resilienz als einer der ausschlaggebendsten Faktoren vermutet. Doch wie wird man resilient? Oder wird man einfach resilient geboren? Eine Frage, die Wissenschaftler*innen verschiedenster Disziplinen erforschen.

Mittlerweile weiß man, dass viele Dinge beeinflussen wie resilient wir werden. Sowohl äußere als auch innere Faktoren haben einen großen Einfluss auf die persönliche Widerstandsfähigkeit. Zu den äußeren Einflüssen zählt die Familie, die Gemeinschaft, in der wir aufwachsen oder die Schule, die wir besuchen, zu den inneren Faktoren zählen die emotionale Intelligenz sowie die Fähigkeit seine eigenen Emotionen zu kontrollieren. Früher wurde Resilienz vor allem am beruflichen Erfolg von Personen gemessen, heutzutage wird eher psychische Gesundheit und das eigene Wohlbefinden als Messkriterium herangezogen.

Rami weiß, dass soziale Kontakte dabei helfen können wieder Glück zu finden. Ungefähr eineinhalb Jahre nach seiner Ankunft verspürt er das erste Mal wieder Glück. In dieser Zeit, in welcher er auch oft traurig war, weil er seine Heimat, Familie und Freunde vermisste, lernt er die deutsche Sprache. Er erinnert sich: „Ich war bei einer Veranstaltung, wo die meisten Leute Österreicher*innen waren und ich konnte endlich verstehen was sie sagen und mich in die Unterhaltung einbringen. In diesem Moment war ich besonders glücklich."

Die vollständige Geschichte von Rami und weitere Informationen zu Resilienz findest du genauso wie weitere positive Geschichten in unserem neuen Magazin.

*Name von der Redaktion geändert.

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