International

Frauenbenachteiligung mit Bankkonten durchbrechen

Am 26 September, 2019

Gute Nachrichten Woman_Employment

In einer neuen Studie ermöglichten ForscherInnen Frauen im ländlichen Indien erstmals Zugang zu einem Bankkonto. Daraufhin stieg der Anteil an erwerbstätigen Frauen. Außerdem entwickelten sowohl die ausgewählten Frauen als auch ihre Ehemänner positivere Einstelllugen gegenüber arbeitenden Frauen.

Eine Gruppe von US-ÖkonomInnen veröffentlichten diese Woche eine neue Studie zum Thema Erwerbstätigkeit von Frauen. In einem ersten Schritt wählten die ForscherInnen zufällig Frauen aus einer ländlichen Region in Nordindien aus und ermöglichten ihnen Zugang zu ihrem ersten eigenen Konto. Zuvor erhielt der männliche Haushaltsvorstand jegliches Gehalt der Familie auf sein Konto. Im zweiten Schritt wählten die StudienautorInnen aus dieser Gruppe wiederum zufällig Frauen aus, die ein zusätzliches Training zur Kontoführung erhielten.

Frauen der zweiten Gruppe sind nach einem, beziehungsweise drei Jahren selbstständiger in ihrer Kontoführung, eher erwerbstätig und tragen mehr Verantwortung bei Kaufentscheidungen. Besonders wichtig sind die Änderungen von Geschlechternormen: Sowohl die betroffenen Frauen als auch ihre Ehemänner liberalisieren ihre Einstellung zu Frauenarbeit. Außerdem sind alle diese Ergebnisse am größten für jene Frauen, deren Ehemänner sich ursprünglich am stärksten gegen Frauenarbeit ausgesprochen haben.

Von Gleichberechtigung – allgemein, aber auch speziell in der Arbeitswelt – kann weltweit noch nicht gesprochen werden. ForscherInnen verbinden viele der Errungenschaften der letzten hundert Jahre mit steigender weiblicher Erwerbstätigkeit. Frauenarbeit kommt somit eine zentrale Rolle in der Veränderung von Geschlechternormen zu. Als österreichisches Beispiel sei nur die Familienrechtsreform aus dem Jahr 1975 genannt, seit der es Frauen erlaubt ist, ohne Zustimmung ihrer Ehemänner zu arbeiten.

ExpertInnen sehen Frauenarbeit deswegen gerade in weniger entwickelten Ländern als wirksames Instrument, um für mehr Gleichberechtigung zu sorgen. Indien hat beispielsweise eine der niedrigsten Frauenerwerbstätigkeitsquoten – 28% im Jahr 2015 – weltweit. Gleichzeitig geben rund ein Drittel aller indischer Hausfrauen an, dass sie gerne einer bezahlten Arbeit nachgehen würden.

Mit ihrer neuen Studie haben die ÖkonomInnen Field, Panda, Rigol, Schaner und Moore einerseits gezeigt, wie betroffene Hausfrauen den Weg in die Erwerbstätigkeit schaffen können und andererseits auch, zu welchen positiven Veränderungen von Geschlechternormen Frauenarbeit führt. Vor allem liefert die Studie aber eine Anleitung für PolitikerInnen: Gleichberechtigung beginnt dort, wo Frauen Selbstbestimmung gewährt wird – wie in diesem Fall über ihr eigenes Gehalt.

Bild: Suneal patel [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

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