Innovation

Neuseeländischer Supermarkt führt ruhige Stunde ein

Am 2 November, 2019

Gute Nachrichten morgan-von-gunten-countdownsmall

Die neuseeländische Supermarktkette „Countdown“ hat gemeinsam mit dem Verein „Autism New Zealand“ ein neues Einkaufskonzept entwickelt. Jeden Mittwoch zwischen 14:30 und 15:30 gibt es die ruhige Stunde, die es reizempfindlichen Personen einfacher macht, einzukaufen. Ein perfektes Beispiel wie Inklusion funktionieren kann.

Unsere Welt ist voller Reize. Vor allem Supermärkte sind laut, schrill und bunt. Im Hintergrund läuft Musik, überall sind Sonderangebote, ständig Lautsprecherdurchsagen und ein konstantes Piepsgeräusch an der Kassa. Eine Situation, die für uns alltäglich und bewältigbar ist, für andere einen Alptraum darstellt. Vor allem Menschen, die sich am autistischen Spektrum befinden, sind oft extrem reizempfindlich. Vielen Autist*innen fällt es nicht so leicht zu filtern, wie neurotypischen Menschen. So nennt man in Fachkreisen Menschen, die an keiner Wahrnehmungsstörung leiden. 

Was das genau bedeutet? Für jemand, der keinen natürlichen Filter besitzt, sind alle Geräusche gleich laut. Jeder kennt das Gefühl, wenn der Sitznachbar ein nerviges Geräusch macht, wie mit dem Stift auf den Tisch klopfen. Auf einmal hört man nichts anderes mehr als dieses Geräusch und kann sich auf nichts anderes konzentrieren. Für manche Menschen auf dem autistischen Spektrum ist jedes Geräusch gleich laut. Es ist nicht nur das Stiftklopfen laut, sondern auch das Ticken der Uhr, die Autos auf der Straße und jede Stimme, die im Raum spricht. Klingt ziemlich stressig, ist es auch.

Genau darum führt die Supermarktkette Countdown die „ruhigen Stunde“ ein. Für eine Stunde gibt es keine Hintergrundmusik, das Piepsen der Kassa wird leiser geschaltet, es gibt keine Durchsagen außer im Notfall und das Licht wird gedimmt. Durch diese Maßnahmen wird Einkaufen für Menschen, die schnell reizüberflutet sind, zu einem angenehmen Erlebnis. Die Idee wird natürlich auch von neurotypischen Menschen sehr gut angenommen. Vor allem Menschen, die aus anderen gesundheitlichen Gründen, Stress vermeiden oder alte Personen. Deswegen weitet Countdown diese ruhige Stunde landesweit auf seine Supermärkte aus. Ein super Beispiel dafür, wie Inklusion funktionieren kann. Vielleicht schauen sich österreichische Supermärkte davon etwas ab. 

Anmerkung der Redaktion: Wir sprechen bewusst nicht von "manchen" oder "vielen" Menschen, die sich auf dem autistischen Spektrum befinden. Autismus ist eine Spektrumsstörung. Das bedeutet, dass zwar viele Menschen, die sich auf dem Spektrum befinden, Gemeinsamkeiten haben, aber dennoch treffen gewisse Symptome nicht auf jede*n zu. In den Medien wird oft ein einheitliches Bild von dem/der klassischen Autist*in vermittelt, damit möchten wir brechen. Den Betroffenen und den Angehörigen zu Liebe. 

Bildrechte: Morgen von Guten via unsplash.com

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