Leadership

Wie Geschlechterverhältnisse schulische Leistungen beeinflussen

Am 23 April, 2019

Gute Nachrichten classroom

Jeden Montag veröffentlicht die größte wirtschaftswissenschaftliche Forschungsorganisation der USA, das National Bureau of Economic Research neue Working Papers. Dabei handelt es sich um Arbeiten, die noch keinem Peer-Review-Prozess durchlaufen sind, gleichzeitig aber aktuellste Forschung enthalten und deswegen gerne zitiert werden.

Mit dem Vorbild von kurzen Zusammenfassungen solcher Working Paper auf Twitter möchten wir an dieser Stelle Arbeiten vorstellen, die wir als Good News sehen. Schon vor einiger Zeit haben wir eine solche Studie für euch zusammengefasst. In Zukunft soll das regelmäßiger passieren.

Die ausgesuchte Studie diese Woche untersucht den Einfluss von erfolgreichen SchülerInnen auf ihre MitschülerInnen mit Hinblick auf Geschlechterverhältnisse. Damit reiht sich die Arbeit in eine Literaturliste ein, die in Laborexperimenten niedrigere Wettbewerbsbereitschaften von Frauen findet, wenn es sich um einen Mixed-Wettbewerb handelt.

Das Design solcher Experimente lässt sich mit einem einfachen Schema beschreiben: Den TeilnehmerInnen werden Rätsel oder Geschicklichkeitsaufgaben gestellt, für deren Lösung sie reales Geld erhalten. Im Grunddurchgang werden die Probanden für jede gelöste Aufgabe bezahlt. In weiteren Durchgängen werden sie nur bezahlt, wenn sie gegen jemanden anderen gewinnen. Wichtig bei diesen Turnieren ist, dass die TeilnehmerInnen über den Aufbau des Turniers informiert sind: spielen sie gegen zufällige Gegner oder Gegner eines bestimmten Geschlechts?

In einer der ersten solchen Experimenten fanden Forscher, dass Männer im Turniermodus mehr Rätsel lösen, während Frauen das nur im gleichgeschlechtlichen Wettbewerb tun. In einer weiteren Abänderung des Experiments, bei welcher die TeilnehmerInnen die Möglichkeit hatten, die Schwierigkeit der Rätsel im Vorhinein (!) festzulegen, zeigte sich außerdem, dass Männer im Durchschnitt einen höheren Schwierigkeitsgrad wählten. Außerdem bemerkenswert: Bei den TeilnehmerInnen dieser Studie handelte es sich um StudentInnen einer technischen Hochschule – ein Umfeld das bekannt für seinen Leistungsdruck ist.

Solche experimentellen Ergebnisse liefern eine mögliche Erklärung für bestehende Geschlechterunterschiede in der Arbeitswelt. Dabei bleibt aber das Problem von Experimenten bestehen: Wie sehr gleicht die Situation in einem Labor unserem Alltag?

Zurück zu unseren erfolgreichen SchülerInnen: Für ihre Studie verwenden die Autoren Daten der Add Health-Befragung. Das ist eine für die USA repräsentative Umfrage von Highschool-SchülerInnen, die im Schuljahr 1994/95 begann. Ein Teil der Befragten wurde in weiteren Wellen auch nach der Highschool befragt, womit weitere Bildungs- und Karrierewege beobachtet wurden.

Um in der Definition von „erfolgreich“ nicht in die Falle von umgekehrter Kausalität zu tappen, verwenden die Forscher nicht Noten oder erreichten Bildungsgrad der SchülerInnen, sondern jene der Eltern. Gerechtfertigt kann das mit der starken Beziehung zwischen Bildungsgrad von Eltern und Kindern. Auch wenn es Schulen mit besserem und schlechterem Ruf gibt, so sind sowohl der Anteil an erfolgreichen Kindern in einem Jahr als auch deren Geschlecht quasi-zufällig. Diese Zufälligkeit nutzen die Autoren aus, um zu argumentieren, dass ihre Ergebnisse nicht bloß eine Korrelation, sondern einen kausalen Effekt darstellen.

Und die Ergebnisse lauten, dass Schülerinnen von erfolgreichen Schülerinnen in ihrem Jahrgang profitieren. Der Anteil an erfolgreichen Schülern wiederum verringert die Chance, dass ihre Mitschülerinnen später ein College abschließen. Außerdem sind beide diese Effekte in etwa gleich groß. Für männliche Schüler besteht dagegen kein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen erfolgreichen KollegInnen beider Geschlechter und ihrer Zukunft.

Als Erklärung ziehen die Autoren Fragen aus der Add Health-Befragung heran: Die Selbsteinschätzung der Intelligenz im Vergleich zu MitschülerInnen auf einer Skala von 1 bis 5 (1 = unterdurchschnittlich, 3 = durchschnittlich, 5 = überdurchschnittlich), sowie den Willen, ein College zu besuchen (1 = niedrig, 5= hoch). Beide Fragen beantworten Schülerinnen mit höherem Anteil an erfolgreichen Mitschülern im Durchschnitt geringer. Dieses Antwortmuster wird als geringeres Selbstvertrauen interpretiert.

Die Studie liefert ein weiteres Ergebnis, das nahelegt, dass die Asymmetrie zwischen den Geschlechtern durch Ausbildung und Sozialisation entstehen. Jetzt steht die berechtigte Frage im Raum: Warum sind das Good News? Weil es gleichzeitig bedeutet, dass es scheinbar relativ einfache Lösungsansätze für eine geschlechtergerechtere (Arbeits-)Welt gibt. Die Ergebnisse legen nahe, dass mehr Kontakt mit "erfolgreichen" gleichaltrigen Mitschülerinnen einen positiven Effekt auf Mädchen hat. Es braucht scheinbar keine komplizierten Lösungsansätze. Außerdem zeigt die Studie, wie wichtig Selbstvertrauen - gerade in einem entscheidenden Alter - ist und das ist eines unserer Lieblingsthemen bei Storyboard.

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