Gesellschaft

Wie Südafrika den „Skandal der Unsichtbarkeit” überwunden hat

Am 18 Februar, 2020

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Schulkinder der Lukhanyo Grundschule, Hermanus in der südafrikanischen Provinz Westkap.Andrew Shiva / Wikipedia

1991 wurde in Südafrika nicht einmal jedes vierte Kind auch offiziell registriert. Nach dem Ende der Apartheid 1994 erschwerten die fehlenden Daten die Bereitstellung öffentlicher Dienstleistungen für vormals unterdrückte Bevölkerungsgruppen. Die demokratisch gewählten Regierungen mussten erst Überzeugungsarbeit leisten, damit Südafrikaner*innen sich selbst und ihre Familien registrierten. Heute werden 90% der Neugeborenen in Südafrika offiziell registriert. Der Überblick einer Erfolgsgeschichte.

Am 27. April 1994 fanden die ersten für alle Menschen in Südafrika freien Wahlen statt. Zwei Wochen später spricht Nelson Mandela in seiner Antrittsrede als erster schwarzer Präsident Südafrikas davon, dass die Zuhörer*innen und „unsere Feiern [...] der neugewonnen Freiheit Ruhm und Hoffnung verleihen”. Trotz der Aufbruchstimmung erwarteten die neue Regierung große Herausforderungen, darunter fehlende Registrierungsdaten eines Großteils der Bevölkerung. Der sogenannte „Skandal der Unsichtbarkeit” war eine Reaktion auf das Apartheid-Regime, das offizielle Registrierungsdaten zur Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen verwendete. Die „Unsichtbarkeit” war eine verständliche Abwehrreaktion, hatte aber negative Auswirkungen auf die betroffenen Kinder.

Ohne Registrierung der Geburt entfiel auch die Geburtsurkunde des Kindes, sowie alle weiteren offizielle Dokumente bis hin zu einem Reisepass. Und damit wurde im weiteren Verlauf der Zugang zu Schulen, Gesundheitsversorgung und offiziellen Arbeitsmöglichkeiten erschwert. Aus dem Grund sind Menschen beziehungsweise vor allem Kinder ohne offizielle Dokumente besonders gefährdet von unterschiedlichen Formen der Ausbeutung bis hin zu Menschenhandel betroffen zu sein. Deswegen sind das Recht auf einen Namen, eine Staatsangehörigkeit und die Eintragung in ein Geburtenregister auch Teil der UN-Kinderrechtskonvention.

Zusätzlich zu den persönlichen Problemen erschwerten fehlende offizielle Aufzeichnungen auch die Arbeit der südafrikanischen Regierungsorganisationen: Öffentliche Dienstleistungen konnten ohne genauen Bevölkerungsangaben, geschweige denn Alters- oder Einkommensverteilungen nicht optimal bereitgestellt werden. Weil die schwarze Bevölkerung Südafrikas am stärksten von der Apartheid betroffen war, trafen sie auch der „Skandal der Unsichtbarkeit” und wiederum fehlende öffentliche Dienstleistungen am meisten.

Deshalb war das Ende der Apartheid eine so große Möglichkeit zur Veränderung Südafrikas: der Abbau von Barrieren in der Beschaffung von offiziellen Dokumenten ‒ getreu dem Motto Inklusion statt Exklusion ‒, der Ausbau von Geburtskliniken und die Schaffung eines Bewusstseins für das Problem der Unsichtbarkeit in der Bevölkerung. Alle diese Punkte trugen dazu bei, dass Südafrika laut Daten der Weltbank aus dem Jahr 2017 die gute Nachricht vorweisen kann eine Geburtenregistrierungsrate von etwa 90% aufzuweisen.

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